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Plan von 1876


1890


1903


1930


1957


1958


1963


1987


1997


2001

1907 - 1912 Uckermarkstrasse
1913 - heute Prenzlauer Promenade
 
Die Eigentümer:
Jahr Hausnummer Eigentümer
1893 1 B. Blümchen, Gastwirtin
  2 R. Kahle, Klempnermeister
  3 C. Klaus, Schankwirt
1895 1 B. Blümchen, Gastwirtin
  2 R. Kahle, Klempnermeister
  3 R. Grüttner, Gastwirt
1897 1 B. Blümchen, Gastwirtin
  2 R. Kahle, Klempnermeister
  3 G. Philipp, Gastwirt
1898 1 B. Blümchen, Gastwirtin
  2 R. Kahle, Klempnermeister
1900 1 B. Blümchen, Gastwirtin
  2 R. Kahle, Klempnermeister
  3 Martha Kohler, Bäckermeisterin
1911 1 B. Blümchen - Verwalter F. Adam, Gastwirt
  2 ?
  3 Martha Kohler, Bäckermeisterin
1914 1 M. Endel, Zahnarzt (Baustelle)
  2 ?
  3 Martha Kohler, Bäckermeisterin, Brotfabrik
1915 1 ?, (Baustelle)
  2 Gemeinde Weißensee, (Abbruch)
  3 Martha Kohler, Brotfabrik
1917 1 Gemeinde Weißensee, Baustelle
  2 Gemeinde Weißensee, Baustelle
  3 Martha Kohler, Brotfabrik
1922 1 Stadt Berlin, (Baustelle)
  2 Stadt Berlin, (Baustelle)
  3 Martha Kohler, Brotfabrik
1932 1 existiert nicht mehr
  2 existiert nicht mehr
  3 Martha Kohler, Brotfabrik unverändert bis 1943

Die Mieter:
Nr. 1 Tischlerei Winkelmann
hauptsächlich Handwerker wohnten hier, z.B.: Schlosser, Tischler, Sattler, Buchbinder, Drechslermeister, Maurer, Putzer, Kunstschnitzer, Schneider, – seit den 20-er Jahren zunehmend Fabrikmitarbeiter.


Ein Ort mit Geschichte

Ein Ort mit Geschichte Ein Plätzchen ist es eigentlich, wenn man ehrlich ist. Aber eins mit einer Geschichte. Nichts spektakuläres, eher eine alltägliche Geschichte, wie sie sich unzählige Male begeben hat. Aber deshalb nicht minder interessant.
 
Heutzutage gilt die unter Ortskundigen als Weißenseer Spitze bekannte Ecke als sogenannter Verkehrsknotenpunkt. Mehrere Straßenbahnen fahren hier nach Ost und West vorbei, auf der Prenzlauer Promenade und der Ostseestraße stauen sich regelmäßig die Fahrzeuge.
Das war nicht immer so. Noch vor 150 Jahren erstreckten sich an der selben Stelle die ausgedehnten Felder des Rittergutes Weißensee. Rund um die damals schon bestehende Chaussee nach Prenzlau baute der durch die gleichnamige Straße geehrte Pistorius seit 1821 Kartoffeln an, die er geschäftstüchtig zur Schnapsherstellung verwendete. In einigen Büchern heißt es, er habe sich um die Technik der Schnapsbrennerei verdient gemacht. Trotzdem änderte dieser erste proto-industrielle Ansatz nichts an der dörflichen Verschlafenheit des Gutsbezirks, der 1872 gerade mal 169 Einwohner zählte.
 
Aber dann ging es los. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg, in dessen Folge ein zumindest territorial geeintes Deutsches Reich entstand, flossen Reparationszahlungen und trugen zur heute allgemein bekannten Gründerzeit bei. In diese Zeit fällt auch die erste Etappe der Berliner Randwanderung. Die Innenstadt war zu eng geworden, die Bodenpreise für viele unbezahlbar. In den vorstädtischen Gemeinden dagegen war Boden noch billig zu haben. Die ehemaligen Felder wurden parzelliert und an Spekulanten und Bauherren verkauft. Just an der Stelle des heute noch namenlosen Platzes, an der Mündung der Heinersdorfer Straße in die damals noch Uckermarkstraße genannte Prenzlauer Promenade, errichtete der Schlossermeister Ortmann das erste Wohnhaus. Damit setzte er den Grundstein für eine vorstädtischen Entwicklung, in deren Folge sich von der heutigen Weißenseer Spitze aus ein Gründerviertel entwickelte - die Kolonie Neu Weißensee. Straßen und Plätze wurden, anders als in Berlin, ohne Generalplan projektiert und mit den Namen ihrer Bauherren versehen. Die Gustav-Adolf-Straße erinnert also nicht an den berühmten Schwedenkönig, sondern an einen Hamburger Kaufmann.
 
Ab 1873 holperte der erste Pferdebus an der Spitze vorbei von und nach Berlin. Die Einwohnerzahl stieg und immer mehr Gewerbebetriebe siedelten sich an. In Meyers Lexikon von 1895 wird auf die Blumentopf-, Nudel-, Makkaroni-, Luxus und Kartonpapier-Fabrikation im Viertel hingewiesen.
 
Klar, daß die nach Neu Weißensee kommenden Arbeiter sich in ihrer Freizeit vergnügen wollten. Anfangs bot die nördlich der Spitze gelegene Gastwirtschaft des Schmiedemeisters Backhaus mit Bier, Tanz und gar einem Sommertheater Gelegenheit dazu. Im zweiten Jahr des Weltkrieges, die Zeiten waren modern geworden, stellte der Wirt im Theatersaal einen Kinematografen auf. Viel später hieß das Kino RIO. Gleich nebenan, in der Gustav-Adolf-Straße, befand sich ab 1929 der imposante Bau des Delphi. 900 Menschen fanden hier Platz und Gelegenheit zum Sehen und Träumen. Es gab rote Polstersitze und nach dem Film eine Bühnenschau mit Artistik und Musik. Beide Kinos sind heute geschlossen.
 
Immer wieder gab es Vorhaben für eine Bebauung des Platzes an der Weißenseer Spitze, die aber nie über Entwürfe hinauskamen. Erst plante man die störenden Brandgiebel der Bäckerei Kohler (der heutigen Brotfabrik) durch ein Geschäftshaus zu verdecken. In den Zwanziger Jahren dann sollte der Platz mit einem Wohnhaus nebst eigenwillig halbrundem Ladenanbau überbaut werden. Doch dazu ist es nie gekommen.
 
Der gut besuchte Wochenmarkt mit seinen Käse-, Butter und Fischständen fand weiterhin jeden Dienstag und Freitag statt, die zwei Kastanien (eine wurde später vom Blitz getroffen) blühten, und das Pissoir erfüllte seinen Zweck. Ein besserer Zigarrenladen namens Rheinknecht, ein Gemüseladen, eine chemische Reinigung und natürlich der Bäckerladen von Kohler zogen die Laufkundschaft aus Weißensee, Pankow und den damaligen Neubauvierteln Prenzlauer Bergs an. Nach dem Einkauf ging man ins Cafe Krienitz – eine Art Wiener Kaffeehaus.
 
Heutzutage existiert um das Plätzchen herum ein merkwürdiges Konglomerat aus Händlern und Kleinhandwerkern, sanierten Gründerzeitbauten, niedrigen Kolonistenhäusern und verwunschenen Hofwerkstätten. Altes und Neues steht an dieser Stelle, ohne recht zueinander zu finden. Der Platz könnte Verbindungen schaffen – ein neues Zentrum sein.

 

Sammlung Caligariplatz

Adolf Damaschke 1865 - 1953
"Lebensweg eines Großstadtjungen" (Essen 1931):


"In jener Zeit war diese Ecke von Neu-Weißensee (im Volksmund Karnickelberg genannt) etwa die äußerste Nordgrenze der Großstadt. Ihre Wogen spülten dort an, was in ihr irgendwie Schiffbruch gelitten hatte.
Schon das Eckhaus Prenzlauer Chaussee 1 sahen wir mit einigem Grauen. Es wurde erzählt, daß dort eine Falschmünzerbande ausgehoben worden sei..."

 

 

 
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